Bankwerte

Bewusstsein schaffen:

Nachhaltigkeit in der Exportfinanzierung

Iman Ismail-Martens ist mit dem Bewusstsein aufgewachsen, dass Ressourcen ein kostbares Gut sind. Dieses Bewusstsein will sie weitertragen, um etwas Positives für das Leben anderer Menschen zu bewirken.

„Ägypten ist ungefähr dreimal so groß wie Deutschland. Doch die Menschen leben allein auf 4 bis 5 Prozent der Gesamtfläche, entlang des Nils. Denn nur dort steht ihnen Wasser zur Verfügung. Der Rest des Landes ist Wüste“, berichtet Iman Ismail-Martens. Ohne sauberes Wasser ist Zivilisation nicht möglich. Das hat die gebürtige Ägypterin und Kundenbetreuerin im Bereich Structured Finance früh gelernt. Ihr Vater betrieb ein Unternehmen, das Abwasser von Industrieunternehmen und Krankenhäusern aufbereitete. 


Wasser bleibt bis heute ein Thema für die 45-Jährige, die im Jahr 2000 mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach Deutschland kam. Denn das Thema Nachhaltigkeit spielt in der Exportfinanzierung, für die sie in Mittel-Nahost und Indonesien zuständig ist, eine große Rolle. Dort arbeiten Banken mit staatlichen Kreditversicherern wie Euler Hermes zusammen, die die Kredite der ausländischen Käufer von deutschen oder europäischen Gütern wie zum Beispiel Kraftwerke, Windparks oder Industrieproduktionsanlagen absichern. Seit 2015 fördern diese nur noch Projekte, die nachhaltig sinnvoll sind. Dafür müssen die Umwelt- und Sozialauswirkungen der Projekte nicht nur im Zuge der Finanzierung, sondern auch nach der Inbetriebnahme der Anlagen regelmäßig geprüft werden. Basis für diese Prüfung sind die IFC Performance Standards und die Äquator-Prinzipien, ein freiwilliges Regelwerk von Banken und Kreditinstituten zur Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards im Bereich der Projektfinanzierungen. 


Lange Zeit hätten Banken das Thema Nachhaltigkeit als „Geschäftsbremse“ empfunden, erzählt die studierte Bauingenieurin mit Schwerpunkt Bau- und Umwelttechnik. Ismail-Martens dagegen betrachtete es schon immer als Innovationsfeld, das Banken neue Türen und Geschäftsfelder öffnet. Neben den Umwelt- und Menschenrechtsaspekten hat sie weitere gute Argumente parat: „Nachhaltigkeit bedeutet auch Risikominderung, das sollte sowohl im Interesse der Unternehmen, als auch der Banken sein.“ Mittlerweile habe sich unter den Banken ein kollektives Bewusstsein für die Notwendigkeit von nachhaltigem Wirtschaften etabliert. „Wir arbeiten in diesem Punkt frei von jeder Rivalität. In gewisser Weise ist Nachhaltigkeit geradezu friedensstiftend, weil sie in unser aller Interesse ist.“ Eine Entwicklung, über die sich die Kundenbetreuerin freut. „Mir ist es sehr wichtig, dass ich etwas Positives in meinem Leben bewirke. Und das kann ich in meinem Job.“ So steht sie den Kollegen und Kunden beratend zur Verfügung und führt Gespräche, wie die geforderten Nachhaltigkeitsstandards eingehalten werden können. Und wenn nicht, dann verfolgt sie eine Strategie der kleinen Schritte. „Der größte Feind der Nachhaltigkeit ist Perfektionismus“, sagt Ismail-Martens. „Man kann bei Paradigmenwechsel nicht immer gleich alles zu 100 Prozent erreichen, aber die Richtung muss stimmen.“

Dass die Politik die Finanzindustrie mit dem EU-Aktionsplan in gewisser Weise für die Umsetzung der Klimaziele instrumentalisiert, findet sie gut und richtig. „Banken sind in der Lage das zu kontrollieren!“ Zu den positiven Einflussmöglichkeiten von Banken fällt ihr ein Beispiel ein: Vor ein paar Jahren hat ein deutscher Großanlagenbauer in Ägypten drei Kraftwerke gebaut, zu dem auch ein vorbildhaftes Sicherheitstrainingscenter gehört. „Bei der Eröffnung von solchen Projekten steht die Unternehmensführung zusammen mit den Investoren- und Bankenvertretern in der ersten Reihe. Denn ohne die Finanzierung hätte das Trainingscenter nie gebaut werden können.“